8. bis 22. April uns 16. bis 30. September 2022 - MAtv Sorel-Tracy

AgorA

Saison 8 - 23.

Nana Mouskouri

(Interview mit André Champagne)

 

André: Diese Woche bei AgorA, auf MAtv Sorel-Tracy, zwei Liebhaber: eine Dame, die sich seit 20 Jahren für die Orienthèque engagiert, und ein echter Fan von Nana Mouskouri. In dreißig Sekunden.

Lass uns heute zu unseren Interviews gehen. Bei AgorA haben wir oft Menschen empfangen, die Dinge, Berufe, Aktivitäten mochten. Hier haben wir jemanden, der jemanden liebt. Ich denke, es ist das erste Mal. Wir sind mit Stéphane Robert, der eine Leidenschaft für Nana Mouskouri hat. Hallo Stéphane.

Stéphane: Hallo André.

André: Vielen Dank, dass du die Einladung akzeptiert hast.

Ich habe einige Idole. Ich verstehe also, was es bedeutet, ein Idol zu haben. Und du, das ist Nana Mouskouri.

Stéphane: Ja, seit mehreren Jahren. Also, möchtest du, dass ich dir ein bisschen darüber reden?

André: Natürlich. Das würde mir gefallen. Ich weiß, dass alles mit einer Platte zu Weihnachten angefangen hat, glaube ich.

Stéphane: Ja. Das war im Jahr 1970, aber vor Weihnachten. Dank einer meiner Tanten, die bei uns lebte. Sie war in Montreal einkaufen gegangen und hatte bei Archambault ein Album gekauft. Da der Plattenspieler in meinem Schlafzimmer stand, wollte sie mich nicht wecken und ließ sie auf der Waschmaschine liegen. Am Morgen entdeckte ich sie und hatte das Gefühl, diese Frau zu kennen. Aber wo könnte ich sie gesehen haben? Es war nicht möglich und es hat mich immer fasziniert. Also entsiegelte meine Tante die Schallplatte und spielte sie ab. Schließlich gab sie sie mir doch. Dann, an Weihnachten, bot sie mir ein weiteres Nana-Album an. Wenn wir Kinder sind, ändert sich unser Geschmack, aber ich hörte ihr weiter zu. Danach kauften mir meine Eltern Nana-Platten, als ich gute Schulzeugnisse hatte, um mich zu ermutigen, weil sie wussten, dass ich sie hören würde.

Später, Im Jahr 1974, als ich herausfand, dass sie zum Place des Arts in Montreal kommen würde, konnten wir vier dorthin gehen. Ich hatte das Glück, sie hinter den Kulissen zu treffen. Ich glaube, sie war beeindruckt, als sie sich mit einem neunjährigen Jungen unterhielt, der ihr sagte, er hatte alle ihre Platten und interessierte sich für ihre Musik, besonders wenn wir durch dreißig Lebensjahre getrennt sind.

André: Vor allem, da – nach meiner Meinung – diejenigen, die sie hinter den Kulissen besuchten, waren hauptsächlich Herren in ihrem Alter. Nein?

Stéphane: Vielleicht. Oder Leute, die ihre Musik viel verfolgen. Es gibt alle Altersgruppen. Dann ging ich zurück, um sie jedes Mal zu sehen, wenn sie kam.

Ich wollte immer meine Neugier befriedigen, diese Frau kennenzulernen. Also fing ich an zu recherchieren. Als ich älter war, besuchte ich Universitäten und Bibliotheken. Unter anderem verbrachte ich drei Monate in der Library of Congress in Washington, um Konzerttermine zu finden und mehr über sie zu erfahren. Dann steckte ich die Artikel in Sammelalben und schrieb die neuen Details, die ich entdeckte, in Heften. Es ist wie ein großes Puzzle und jedes Mal, wenn ich ein fehlendes Teil finde, bin ich sehr stolz.

Für diejenigen, die mehr oder weniger wissen, wer Nana Mouskouri ist, sie ist eine Griechin, die in ihrem Land mit dem Singen begann. Sie hat eine Klassische Gesangsausbildung. Danach verliebte sie sich in den Jazz. Es passte nicht zu klassischer Musik. Also fing sie an, ihren Lebensunterhalt in Clubs zu verdienen, in denen sie Jazz sang. Aber sie traf große Intellektuelle, die Lieder für sie schreiben wollten. Sie sagten ihr: «Nana, wenn du eine gute Sängerin werden willst, musst du zuerst griechische Lieder gut kennen.» Danach machte sie Französisch. Seitdem ist sie polyglott und singt phonetisch in 27 Sprachen. Es ist ein Beispiel für mich, der andere Sprachen lernen wollte.

Außerdem ist sie eine liebenswerte Persönlichkeit, weil sie für Stabilität steht: Sie ist immer die gleiche mit ihrer schwarzen Brille und ihrem Mittelscheitel. Ich denke, es ist ein Ideal, das heute sehr gesucht wird. Außerdem ist sie Perfektionistin und hat Klasse in den Interviews und auf der Bühne. Sie ist auch trotz ihrer Berühmtheit die Frau ohne Skandal, und dafür hatte ich immer Bewunderung.

Natürlich sammele ich weiterhin Zeitungsartikel, um mehr zu erfahren, und Platten zu kaufen. Einen Teil davon haben Sie übrigens hier. Das sind die 33er-Platten. Ich habe mehr als 1.500. Abgesehen von den anderen 1.500, die CDs, Kassetten und 45er-Platten sind. Im Grunde alle Stücke, die Spuren davon hinterlassen, was sie war und was sie heute noch ist.

André: Irgendwann gab es eine Veränderung. Es war von dem Moment an, als du einen Computer gekauft hast. Denn dort haben wir es noch nicht gesagt, aber du verwaltetest eine sehr sehr wichtige Website über Nana Mouskouri.

Stéphane: Ah, ja, Computer…Wir hatten vorher Gelegenheit, darüber zu sprechen. Für mich ist es ein bisschen mein schwarzes Schaf. Aber in den Jahren 1997, 1998 hatte ich gelesen, dass diejenigen, die nicht wussten, wie man einen Computer benutzt, die Analphabeten des Jahres 2000 sein würden. Also musste ich anfangen.

Zunächst habe ich es nicht aus Spaß gemacht, weil ich ein konkreter Mensch bin. Ich mag es, ein Stück Papier, eine Schallplatte in meinen Händen zu haben. Ich bin misstrauisch gegenüber dem Virtuellen, denn wenn das Gerät nicht funktioniert, haben wir es nicht mehr. Ich begann damit, meine Plattenliste zu erstellen, weil sie ständig aktualisiert werden musste. Es war so lange. Mit dem Computer war es dank Excel viel einfacher. Und danach fing ich an, Texte auf Word zu schreiben. Dann sah ich ein wenig, was im Internet passierte. Ich speicherte die Fotos von Nana, die ich fand, ich schrieb die Details, die ich nicht kannte, als ob sie mir dabei helfen würden, ihr Leben neu zu schreiben. Es war der Beginn des Computers und des Internets.

André: Und jetzt, die Website, wovon reden wir, von einer Million Besucher?

Stéphane: Seit 17 Jahren sind sie 1.100.000 Besucher. Natürlich ist es nicht auf einmal passiert. Die Entscheidung, eine Website zu erstellen, kam zu einem bestimmten Zeitpunkt in meinem Leben. Nana, ich höre ihr zu, wenn ich Texte schreibe, wenn ich etwas anderes mache. Es ist eine Hintergrundmusik, die Sie nicht stört. Aber zu einem bestimmten Zeitpunkt war es nicht nur das. Nachdem ich ein wenig recherchiert hatte, sagte ich mir, dass es vielleicht eines Tages zu etwas führen musste: diese Leidenschaft zu teilen, diese Frau bekannt zu machen, die Musik, die sie uns hinterläßt, indem ich zum Beispiel eine Website erstelle.

Wenn mir das vor zwanzig Jahren jemand gesagt hätte, hätte ich nie gedacht, dass ich das kann, weil ich Angst vor Computern hatte. Aber jemand hat mir geholfen, sie zu erstellen. Und langsam sah ich an, was woanders gemacht wurde. Aber ich wollte sie auf persönliche Weise machen. Sie heißt Nana Mouskouris Quebec Webseite, weil sie Verbindungen in Quebec hat, die sie anderswo nicht hat. Ich nehme als Beispiel Céline Dion, die eine sehr gute Sängerin ist und eine großartige Karriere hat. Aber was sie auf Französisch und Englisch macht, ist überall bekannt. Während in Deutschland veröffentlichte Nana etwa zwanzig Alben, die anderswo unbekannt waren. Sie hatte ihre deutsche Karriere. In Griechenland das Gleiche. Und dann hat sie Wurzeln in mehreren Ländern gegründet. Sie sind nicht die selben. In Quebec kam sie oft. Ihre erste Solotournee fand 1967 statt. Danach tat sie dasselbe auf der ganzen Welt. Und das Jahr 1967 war ein Meilenstein für ihre Karriere und auch für was zu diesem Zeitpunkt in Quebec geschah. Es ist also, als hätten sich ihre Schicksale gekreuzt. Dies sind Dinge, die ich hervorheben wollte, genau wie die Kontakte, die sie mit den Quebecern hatte. Ich denke auch an Jean-Pierre Ferlands Lied "Je reviens chez nous", das sie in sieben Sprachen aufgenommen hat. Jeder Artikel gibt mir Ideen, um andere zu schreiben. Es ist, als gäbe es kein Ende.

André: Immer wenn ich mit jemandem spreche, der ein Idol hat und ihn/sie getroffen hat, komme ich nicht umhin, die Frage zu stellen: Hat sie dich enttäuscht? Denn ich habe schon in meiner Jugend Menschen kennengelernt, die ich sehr mochte und dann war es nicht immer der Moment, den ich mir gewünscht hätte. Hier sahen wir mehrere Bilder von dir mit ihr. Du hast ihr offensichtlich oft begegnet, du kennst sie ein wenig. Schließlich, wie viel? Kennt sie deinen Namen? ?

Stéphane: Sie kennt mich vom Sehen schon sehr, sehr lange. Es war eine lange Zeit bevor sie meinen Namen kannte, weil sie viele Leute trifft. Ich sehe sie nicht oft genug, um eine sehr, sehr enge Verhältnis zu haben. Aber ich kenne ihre Umgebung, ihre Musiker, die ihr von mir erzählen, die ihr die Links zu meinen neuen Artikeln senden. Also liest sie sie und genießt sie.

Ich hatte Überraschungen, als ich sie 2012 in Deutschland besuchte. Es war zum 50. Jahrestag ihres berühmten Liedes "Weiße Rosen aus Athen", das ihre Karriere mit einer Million Platten begann. Ich erzähle euch:

Ich komme dort in Nürnberg an, wo ich mich meinen deutschen Freunden im Hotel anschließen muss. Kein Konzertplakat und ich kenne niemanden. Bin ich am falschen Ort? Schließlich finde ich das Theater, das nicht weit entfernt ist. Also sitze ich in der Lobby. Und irgendwann sehe ich der Bus mit der Truppe von Nana ankommen. Dort sehe ich die Musiker aussteigen. Ich grüße sie. Und Nana kommt. Also gehe ich zu ihr und sie sagt: «Ah, das ist der Kanadier.» Dann beginnt sie zu singen: "Un Canadien errant banni de ses foyers parcourait en pleurant des pays étrangers…" (Ein umherirrender Kanadier, aus seiner Heimat verbannt, lief weinend durch fremde Länder…). Das ist also eine ziemliche Überraschung.

Bei einem dieser Konzerte war ich auf dem Balkon gleich über der Bühne. Sie sah mich und winkte mir zu. Man muss auch sagen, dass es in Deutschland ganz anders ist als hier, denn während der Zugaben nähern sich die Fans der Bühne. Als ich in der Nähe war, wollte sie mir das Mikrofon geben, damit ich mit ihr "Weiße Rosen aus Athen" singen konnte. Natürlich kenne ich den Refrain auf Deutsch, aber nicht die Strophen. Ich hätte es auf Französisch machen müssen. Also konnte ich nicht.

Danach, im Jahr 2018, lud sie mich ein, an einer Meisterklasse teilzunehmen, die sie an der McGill Universität gab. Sie musste vier Tenören und Sopranen, die dort studierten, zuhören und sie beraten. Ich habe einen Artikel darüber geschrieben. Ich wurde von all ihren Musikern begleitet: der Schlagzeuger, der Bassist, der Gitarrist, der Pianist und ihre Assistentin. Es war eine schöne Erfahrung. Jedes Mal, wenn ich ein Konzert besuche, versuche ich, sie zu sehen, aber es ist nicht immer einfach. Wenn sie jeden Abend Leute empfängt, ist das viel. Wenn sie einen erhält, muss sie zehn erhalten. Allerdings habe ich sie mehrmals getroffen.

André : Wir wissen, dass sie ein internationaler Star ist, aber wir sprechen nur im Großen und Ganzen. Wie viele Alben hat sie in ihrem Leben verkauft?

Stéphane: Es ist ziemlich schwierig zu wissen, weil sie alle möglichen Zahlen angeben. Sie sagen 300 Millionen Alben. 300 Millionen Aufnahmen, ich würde es glauben, weil sie viele Platten gemacht hat, ungefähr 2.000 Aufnahmen, Lieder in mehreren Sprachen. Also, ein Album, das zwölf Lieder enthält, würde als zwölf zählen. Ich glaube, das sie es so gezählt haben. Man muss sagen, dass sie alle Epochen gekannt hat. Am Anfang waren es die 45-er Platten mit zwei Lieder, die EPs mit vier Lieder, die 33-er Platten. Es gab CDs. Jetzt ist es mp3-Download. Also, ja, wir könnten sagen, 300 Millionen Aufnahmen.

André: André: Ich weiß, dass du hier in Sorel-Tracy Lehrer bist und bereits eine mündliche Vorstellung über deine Leidenschaft für Nana Mouskouri gemacht hast, um das Eis in einer Klasse zu brechen. Die Jungend von heute hatten wahrscheinlich nie von ihr gehört, nehme ich an.

Stéphane: Nicht viel. Die Minderheit. Vielleicht einer von fünft. Aber ich glaube, sie waren neugierig. Es war eine Gruppe Sekundarstufe 2 und sie hatten Angst, vor der Klasse zu sprechen. Also sagte ich zu ihnen: «Hören Sie mal, über sein Hobby für zwei Minuten reden, etwas, das Sie mögen, ist es nicht schwer». Da einige Studenten eingeplant und sehr nervös waren, beschloss ich, dass ich meine Präsentation halten würde. Ich begann ihnen zu erzählen, dass ich 1970 meine erste Platte hatte. Wie alt war ich? Fünf Jahre alt. Als ich sie 1974 zum ersten Mal sah, war ich neun Jahr alt. Als ich anfing, viel in Bibliotheken zu recherchieren, im Jahr 1983, war ich 18 Jahre alt. Schließlich zeigte ich ihnen das. Dann hatte ich schöne Zeugnisse, schöner Nachrichten. Eine Schülerin sagte mir, dass es als Beispiel für sie diente, dass es wichtig ist, an etwas im Leben festzuhalten. Dass nur echte Leidenschaften weit zurückreichen, bis in die Kindheit und es hält ein Leben lang. Wir müssen sie erhalten, sie sind letztendlich Gründe zu leben. Sonst ist das Leben langweilig.

André: Ich finde es interessant, weil die Jungend von heute vor allem auf kleinen Bildschirmen festhalten sind. Dann ist es vielleicht weniger nahrhaft als das, was du tust.

André: Die Zeit vergeht. Nana Mouskouri kam nach Sorel-Tracy. Das ist keine Kleinigkeit.

Stéphane: Ah, ja, das habe ich dir gesagt. Sie kam dreimal zu der Zeit, als viele Künstler wie Jacques Brel, Juliette Gréco und Michel Sardou im Théâtre Sorel auftraten. Es war das gemütlichste Theater jener Jahre. Leider wurde es nicht erhalten geblieben. Aber sie sang hier, unter anderem zum letzten Mal, am 13. Oktober 1970. Es war an ihrem 36. Geburtstag. Natürlich war ich sehr jung. Ich wusste, wer sie war, aber niemand hatte es mir gesagt. Sie gaben ihr einen Kuchen und Blumen, um ihr zu danken. Sie war sehr, sehr bewegt davon. Noch heute macht es mich traurig. Ich sage mir, dass sie sechs Strassen von meinem Haus entfern war, ohne dass ich dorhin gehen konnte. Aber ich habe sie in Deutschland, Griechenland, Spanien, Frankreich und den Vereinigten Staaten gesehen. Also, habe ich noch ein bisschen Nostalgie dafür.

André: Vielleicht gibt es Leute in meinem Alter oder jünger, die es nicht ahnen, aber unsere Techniker erzählen mir oft vor der Zeit, als große Weltstars ins Théâtre Sorel kamen. Sie gaben mir die gleichen Namen als du. Also fange ich an, ihnen zu glauben.

 

BALD AUF DEUTSCH:

André: Wir haben noch eine Minute. Gibt es eine Nana-Mouskouri-Gemeinde in Quebec? Hast du Bekannte, die sie genauso wie du mögen?

Stéphane: Es gibt andere, die ihr folgen. Wir sehen uns nicht so oft, aber wir schreiben uns. Online ist es einfacher. Da meine Website in mehr als hundert Ländern besucht wird, habe ich Kontakte auf der ganzen Welt.

André: Deine Website ist auf Englisch, Französisch…

Stéphane: Auf Spanisch und Deutsch.

André: Oh! OK.

Stéphane: Ich wollte etwas machen, das wie Nana aussieht. Da sie mehrsprachig ist, musste es in mehreren Sprachen sein. Und die Tatsache, dass ich alle meine Texte schreibe, macht es persönlicher.

André: Stéphane, das ist die ganze Zeit, die wir haben. Aber ich danke dir sehr. Es ist super interessant. Das macht Lust, Nana Mouskouri zu hören. Vielen Dank.

Stéphane: Vielen Dank, dass du mir erlaubst, ein wenig zu sprechen, weil ich nicht oft die Gelegenheit dazu habe.

André: Es ist ein Vergnügen. Also vielleicht gibt es Menschen, die dank dir auch eine Leidenschaft für Nana Mouskouri entdecken werden.