Eine neue Sonnenstimme

"♫...Quatre soleils sur notre amour
Quatre matins
Quatre nuits
Quatre jours
Quatre soleils sur notre amour,
On s'aimera plus longtemps que toujours...♪♪"

Vor 50 Jahren entdeckten wir in einem griechischen Wiegenlied das, was man eine Sonnenstimme nennt. Ihr Name, ihr Repertoire, die Poesie von einigen ihrer Lieder erinnern an ihren Ursprüngen. Nana Mouskouri hollte dann einige andere Mittelmeer-Sänger wie Tino Rossi, Luis Mariano, Georges Guétary und Dalida dazu, die die Beliebtheit der Quebecer haben. Um diesen Jahrestag zu unterstreichen, ist hier ein Bericht über den Kontext, der ihr erstes Kommen in Montreal beinhaltet.

Im November 1964 wurde die Aufmerksamkeit des Publikums  auf ein Lied gelenkt. Einige Rundfunkstationen spielen alltäglich "Quatre soleils" (Vier Sonne), eine sentimentale Ballade von Eddy Marnay auf einer Musik, geschrieben von Manos Hadjidakis. Mit einer ausgeprägten Bouzouki-Begleitung erzählt eine wohlklingende Stimme, dass an jedem Horizont eine Sonne über ihre Liebe wacht. Keine Wolken. Wir wissen sehr wenig über die Sängerin. Zusätzlich zu dieser 45er-Platte sind zwei ihrer Alben hier gedruckt. Um mehr zu finden, muss man in die großen Schallplattenläden gehen, wie Archambault Musique, der auf französische Chansons spezialisiert ist und Partitur und EP von Frankreich importiert.

Ihr erstes Album, in Französisch, beginnt mit "À force de prier", der Titel beim Eurovision-Festival 1963 interpretiert. Er erlaubte ihr das Diplom Marathon de la Chanson Française zu gewinnen. Es gibt auch Kompositionen von Gainsbourg, Aznavour, Bécaud und Coverversions von amerikanischen Hits. Einige Musikfreunde erinnern sich an "Wildwood flower", die in den Hitparaden im November 1962 erschienen. Jedoch wird "Un homme est venu" die Bekannteste von allen bleiben, da sie im Radio spielen und auf anderen Platten wieder aufgenommen wird. So viel für die Orchestrierung als für die Art zu singen, man dieses Album in Leichten Jazz klassifizieren kann. Dieses wird bis 1967 auf dem Markt bleiben.

Ihr zweites Album, "Griechenlands schönste Lieder",  schließt Lieder von Hadjidakis und Theodorakis, die zwei berühmtesten Komponisten ihres Landes, ein. Man erkennt unter anderem das sehr populäre "Ein Schiff wird kommen", aber auch Titel, die ihre Anfänge wie "To kyparissaki", "Hartino to fengaraki" und "Kapou iparhi i agapi mou" prägten. Die Arrangements und die Orchestrierung sind von Jacques Denjean. Im Jahr 1963 brachte ihr dieses Album den Grand Prix de l’Académie du Disque français für der Folklore ein. Es findet Käufer bei ihren Landsleuten und denjenigen, die an ihrem griechischen Repertoire interessieren sind. Das war kein Zufall. Der Cover-Designer wählte die Form einer Sonne, um das Album zu illustrieren.

Im Herbst 1964 ist Nana Gastsängerin in der Harry-Belafonte-Show in den USA. Zusammen treten sie in 26 Universitäts- und Kollegiale Campus auf. Sie beginnen am 19. Oktober in Burlington, Stadt des Staates Vermont, die 45 Minuten von der kanadischen Grenze liegt. Während dieser Tournee machte Nana sich mit Folkmusik vertraut, die damals voll im Trend lag. Sie trifft seine wichtigsten Künstler; Joan Baez, Bob Dylan, Pete Seeger und der Englische Kanadier Duo Ian & Sylvia Tyson. Sie empfehlen ihr "Un Canadien errant", ein traditionelles Lied zu singen, wenn sie nach Quebec kommt.     

Die Montreal Show wird für Mai 1965 festgelegt. Man sagt ihr, dass sie eine Überraschung erleben wird, weil einige ihrer Lieder bekannt sind. Es gibt natürlich nicht nur "Quatre soleils", sondern auch "Les parapluies de Cherbourg", das Thema des Films, der im Februar des gleichen Jahres in die Kinos kommt. Nanas Version erscheint auf Single und auf ihrer neuen Schallplatte. Das unterscheidet sich von den vorherigen, und man fühlt mehr ihre Mittelmeer-Ursprünge, ihre Romantik und ihre Vorliebe für Jazz. Schließlich wird die Ausgabe "Quand s’allument les étoiles", ein dritter Auszug, mit ihren Aufenthalt in der Metropole zusammenfallen.

Obwohl wir ihre Lieder im Radio hören und sich ihre Platten gut verkaufen, haben die meisten Menschen noch kein Gesicht zu ihrer Stimme. Mit Ausnahme, was in den importierten französischen Zeitschriften veröffentlicht ist, ist ihre Präsenz in der Quebecer Presse fast nicht existent. Der Beilage Paramonde, zur Ausgabe des 13. März 1965, widmet sie ein Cover. Sie nutzen das Foto, auf dem sie einen schelmische Blick zeigt, indem sie ihre Brille senkt. Dem Artikel entnehmen wir, dass sie Griechin ist, und dass sie am Konservatorium studierte. Aber ihre Entdeckung zum Jazz machte sie der Oper vergessen. Zweimal gewann sie das Festival des Liedes, und sie singt ohne Akzent in mehreren Sprachen.

Gerade rechtzeitig zu dieser Tournee kommt noch mal "The Girl from Greece sings", ihr einzige Album, mit einem anderen Cover heraus. Es wird hauptsächlich in den Regionen von Montreal, Toronto und Vancouver verbreitet, wo sie mit Belafonte auftritt. In diesem Album, von Quincy Jones im Jahr 1962 produziert, gibt Nana große amerikanische Standards wieder. Trotz der Qualitätsaufnahmen und Interpretation bleibt das Album unbemerkt und wird nach dessen Veröffentlichung nicht gedruckt. Man kann es dem Unterbetrieb ihrer zwei Verbreiter Quality und London Records zuweisen, und weil sie auf der englischsprachiger Seite wenig bekannt ist. Dagegen werden wir in einigen Geschäften die amerikanische Pressung finden.

Während zweier Wochen, ab 10 bis 23. Mai 1965, gibt Harry Belafonte im Place des Arts Gastpiele. Im ersten Teil stellt er den Harmonikaspieler Sonny Terry und den Gitarrist Brownie McGhee vor, die den Blues singen. Im zweiten Teil sind Nana 20 Minuten Lieder in griechisch und französisch. "Un Canadien errant" brachte ihr eine stehende Ovation ein. Dann kommt Herr Belafonte zurück, um im Duett mit ihr zu singen und die Show zu beenden.

Ihr Triumph auf der Bühne bestätigt ihre Popularität bei den Quebecern. Sie lernen sie besser durch ihre Interviews kennen und schätzen, die sie auf Französisch ausdrückt. Nach ihrem Erfolg behaupten einige Journalisten sogar, dass sie die Show von Harry Belafonte gestohlen hat. Der Manager Samuel Gesser hat die Gelegenheit mit ihr zu arbeiten. Er ist durch ihre Persönlichkeit, ihr Talent und ihren Stil verzaubert. Sie halten Kontakt.

Mit "Quatre soleils" beginnt eine Liebesgeschichte mit Quebec. Nach und nach werden ihre Lieder, ihre Stimme und ihr Gesicht vertraut. Ihr Aufenthalt in Montreal im Jahre 1965 erlaubt es uns, sie kennenzulernen. Im August des gleichen Jahres kommt eine vierte 45er-Platte heraus. "L'enfant au tambour" und "Remets mon coeur à l'endroit" werden zwei neue Erfolge. Andere Platten werden erscheinen, und sie wird zurückkommen, um uns zu besuchen, weil ihre Anwesenheit uns jedes Mal ein wenig Sonnenschein bringt.